Am Ende des Tages

Eine Erzählung des Schriftstellers Jurij Koch

 

                                                      

 

Mein Dank gilt der Bücherei Sandow für den sehr berührenden literarisch-musikalischen Abend mit Jurij Koch und Matthias Kießling im Carl-Blechen-Haus am 21. Oktober 2010.

Jurij Koch führte uns mit seiner Erzählung "Am Ende des Tages" zurück in das Jahr 1794, in dem George Rietscher aus Horka wegen mehrfacher Brandstiftung öffentlich enthauptet worden ist.

Der Schriftsteller hat diesem jungen Menschen dichterich eine Biografie gegeben, die uns den Karren mit dem gefesselten Deliquenten zum Schafott begleitend, dessen schmerzliche Rückschau auf ein kurzes Leben voller Entbehrungen, Armut, Entäuschungen, kurzen Glücks und Betruges erfahren läßt.

Matthias Kießling hat mit exzellent vorgetragenen Folkballaden diese Zeit musikalisch nahe gebracht.

Seit Oktober 2009 ist der Sänger, Songschreiber und Komponist Matthias Kießling bei Lesungen mit Jurij Koch zu erleben. Wir hatten dieses emotional und intellektuell bewegende Vergnügen nun auch ganz in unserer Nähe.

Diese Veranstaltung war eine gelungene Einheit von dichterischem Wort und Musik.

Gerda Raabe

 

 

 

 

 

Mittlerin zwischen den Kulturen

 

Andrea Hassan stellte am 16. September 2o1o auf Einladung der Bücherei Sandow den libanesischen Maler, Dichter und Philosophen Khalil Gibran vor.
 
 
 
"Manche nennen mich Kulturmittlerin" sagte Andrea Hassan, nach ihrer Profession befragt. Die zierliche Frau ist in Dubai und Zeulenroda zu Hause, aber in der Welt unterwegs.
 
Den zahlreichen Besuchern bringt sie an diesem Abend auf ihre leise, eindringliche Weise den hierzulande kaum bekannten Khalil Gibran nahe.
"Ein Suchender der Stille bin ich" bekennt dieser in seinem Hauptwerk "Die Propheten". Darin verkündet er Botschaften von zeitloser Wahrheit, von denen die Zuhörer an diesem Abend mitten ins Herz getroffen werden. Auch weil sie so einfühlsam und authentisch vorgetragen werden - so beschreibt die Journalistin Frau Elsner in der Lausitzer Rundschau vom 18./19. Oktober ihren Eindruck.
 
Neben dem geistigen brachte der Abend den Besuchern auch sinnlichen Genuß: Tee mit Minze, Nelken und Kardamom zaubern arabischen Aroma und äußerst schmackhaftes Dattelkonfekt, orientalische Dekorationen und Gerüche runden das Kulturerlebnis ab.
 
In Deutschland bringt Andrea Hassan mit Ausstellungen und Lesungen den Orient nahe. So auch in zwei 5. Klassen der Christoph-Kolumbus-Grundschule am nächsten Tag. In Dubai zeigt sie Bilder von Künstlern aus Deutschland und wirbt auch dort für die Verständigung zwischen den Kulturen.

Gudrun Hibsch / Vereinsvorsitzende

 

 

 

 

 

 

 

 

                    Konfliktfelder

 

 

 

Ole Bienkopp wurde vor 100 Jahren "geboren"

Erinnerungen an einen der größten Querdenker in der DDR-Literatur und seinen geistigen Vater

 

"Die Erde reist durch den Weltenraum. Der Mensch sendet eiserne Tauben aus und harrt ungeduldig ihrer Heimkehr. Er wartet auf ein Ölblatt von Brüdern auf anderen Sternen." So beginnt einer der populärsten Romane der DDR-Literatur - "Ole Bienkopp" von Erwin Strittmatter. Dem Dichter mit den zwei Heimaten im Süden und im Norden Brandenburgs galt ein Nachmittag des Vereins Bücherei Sandow im Cottbuser Osten.

Der Einladung folgten über 100 Interessenten. Die Veranstaltung, in der sich der Strittmatter-Verein Spremberg-Bohsdorf (Felixsee) vorstellen und Strittmatters ehemaliger Lektor über Begegnungen mit dem "Wundertäter der Poesie" plaudern sollte, geriet unversehens zu einer Art Festakt.

Ein gerüttelt Maß an Schuld oder Verdienst daran hatte der Strittmatter-Vereinsvorsitzende Dr. Manfred Schemel, in dem er des Meisters Stimme von einer Tonband-Kassette abspielte. Was da zu hören war, gab einer Mußestunde das Kolorit eines Jubiläums: "Ole Bienkopp kam eintausendneunhundertundfünf Jahre nach dem von Gott gezeugten Schreinersohn Christus auf die Welt. Er nahm sein Kreuz auf sich und stolperte davon".

Erwin Strittmatter, der geistige Vater des rebellischen, sozialismusverbundenen und parteikritischen Bienenzüchters, hatte seinen Helden wirklich mit einer Geburtsurkunde ausgestattet, deren Tinte vor hundert Jahren getrocknet ist.

Er machte ihn zu einem Träumer, der fliegen zu können glaubte und sich beim ersten Versuch eine blutige Nase holte. Als der Krieg die Süße aus dem Leben der Kinder saugte, zwang Ole die Hummeln und Feldern und Wiesen, ihm den fehlenden Zucker zu bringen.

Als er 27 Jahre alt wurde, war er Waldarbeiter, galt als schrulliger Junggeselle und wurde von dem flammenden Blick der stolzen, attraktiven und kapriziösen Fischerstochter Annegret entzündet, die ihn später heiratete.

Hier brechen wir Romanzitat und -nacherzählung ab; denn das alles, was Dichters Stimme in die von uns "Festakt" genannte Veranstaltung streute, kann man in Strittmatters Roman von Kapitel 13 an selbst nachlesen. Und man wird, wenn man dies tut, weiterlesen und sich mit Ole freuen und mit ihm leiden, wenn er sich erfolgreich und erfolglos an der Parteibürokratie reibt. Er geht daran zwar zugrunde, aber wo solche in die Erde eingehen, stehen doch neue auf.

Diesem Bienkopp ist ein guter Teil Strittmatter eingeschrieben. Dieses "Dennoch" gegen alle restriktive Unvernunft, dieser Trotz, diese Hartnäckigkeit waren und sind beiden eigen. So schreib Strittmatter seine Bücher und beharrte auf ihrem kritischen Tenor.

Da muß an dieser Stelle etwas zum Veranstalter des "Festaktes" vermerkt werden. Der Verein Bücherei Sandow entstand, als die Stadtteilbibliothek geschlossen wurde. Beherzte  Bücherliebhaber sagten: "Sandow ohne Bibliothek, das wäre wie Cottbus ohne Spree, das geht nicht." Und sie gründeten einen Verein, übernahmen Teile der Bibliothek und Spenden aus der Bevölkerung. Ehrenamtlich und praktisch mittellos sorgen sie heute dafür, daß auch im Cottbuser Osten gelesen werden kann, ohne Bücher kaufen zu müssen. Das ist eine Geschichte, die klingt wie Ole Bienkopps Bemühungen um die Entenaufzucht, Schilfmattenproduktion und den Abbau von Kalkmergel. Ein würdiger Ort für eine Ehrung, die Johannes Mertsching, Schüler des Cottbuser Konservatoriums und Sieger des jüngsten Landeswettbewerbs "Jugend musiziert", auf dem Klavier feierlich umrahmte, u.a. mit einem Lieblingsstück von Strittmatter, einer Polonaise von Chopin. Solche Jugendliche mit Begeisterung wünscht sich Manfred Schemel in seinen Verein, um die regionale Erbepflege auf literarischem Gebiet mühe- und nahtlos weiter und in die nächsten Generationen geleiten zu können.. Interessant und nachforschungswert ist, daß sich eine Schule im fernen Uffenheim, zwischen Würzburg und Nürnberg gelegen, in einem Projekt mit dem Romancier beschäftigt. Keine Rezepte, sondern Konzepte braucht es, wenn man Wertvolles bewahren will.

Dr. Gotthard Erler, der Strittmatters Werk nach 1990 als Cheflektor begleitete, ist voll von anekdotischen Erinnerungen. Zunächst einmal: Erler war ja froh, sich einem lebenden Autor zugesellt zu wissen. Bis dato hatte er die toten "Betreut". Sein Kollege, der für die Lebenden zuständig war, sagte gelegentlich: "Guckt Euch mal den Erler an. Das ist der, dem ihr alle zusterbt." Daß er zu Strittmatter schnell eine Antenne fand, hatte mit einem Hobby zu tun. Beim Gang durch den Frühlingswald sagte der Lektor zum Dichter: "Pssst, hören Sie? Das ist die erste Singdrossel in diesem Jahr." Strittmatter darauf: "Verstehen Sie denn was von Vögeln?" "Na klar, ich bin doch ein verkappter Ornithologe."

Gotthard Erler erzählte von Lesereisen mit dem Erfolgsautor des Osten. Einmal stand Weimar auf dem Programm. Der Gasthof, in dem die Strittmatters immer übernachteten, hatte einen rührigen Wirt. Stellen wir ihn uns windig und wendig wie Thomas Manns Mager ("Lotte in Weimar") vor. Als er eine Weile um das Ehepaar herumgewuselt war, meinte er sahnig: "Wissen Sie, Herr Strittmatter, seit Ihren Heiden von Kummerow habe ich jedes Buch von Ihnen gelesen." (Erklärung des Irrtums für Uneingeweihte: "Die Heiden von Kummerow" ist ein bezauberndes und liebenswertes Buch, aber nicht aus der Feder von Erwin Strittmatter, sondern von Ehm Welk.)

Strittmatter war ja bekanntlich ein Pferdenarr. Vor einer Lesung in Leipzig hatten sich junge Leute erkundigt, daß jemand unweit auf dem Lande einen Hengst besaß, den er aus dem Pferdehof des Schriftstellers gekauft hatte. Während der Signierstunde rief Erler Strittmatter heraus. Ein Besucher wartete auf ihn. Es war der Hengst, den der Dichter richtig herzte. Er meinte, das Tier habe ihn nicht erkannt. Die Presse, die anderer Ansicht war, komplimentierte das Tier hinein. Es kam auch dieser Bitte nach. Man kann sicher sein, daß dies das erste Pferd in einer Buchhandlung war.

Von Klaus Wilke   /   LR - 8. April 2oo5

 

 

                                                  Angela Davis und ihr Engagement für Mumia Abu Jamal

                   

 

 

Notizen zur Landschaft      

 

 

                                 Die Puppe aus Amerika

                                                                                  - Autorinlesung -

 

Ursel Röhlig - Eine Reise in die Kinderseele

Mit ihrem Roman «Die Puppe aus Amerika» bietet Ursel Röhlig, ehrenamtliche Leiterin der Sandower Bücherei, als Autorin Einblicke in die Gefühlswelt von Heranwachsenden. In drei Kapiteln arbeitet die Cottbuserin ihre eigenen Kindheitserlebnisse auf. «Es ist das natürliche Missverständnis zwischen Erwachsenen und Kindern», umreißt die 65-Jährige den Inhalt ihres Buches.                                                                                                                                                                         Familienleben spiegelt sich wider, Situationen verdeutlichen, dass Eltern oftmals nicht wissen, was sie Kindern antun. «Erwachsene denken nicht daran, dass kleine Kinder auch Gefühle haben», sagt Ursel Röhlig.
Als Dreijährige musste sie mit weiteren Geschwistern an der Seite der Großmutter aus Ostpreußen flüchten, wuchs in den Nachkriegsjahren auf dem Lande auf, verstand die Welt nicht, als ihre alles geliebte Puppe im Ofen verbrannt wurde. «Die Puppe aus Amerika wurde zum Politikum», umreißt Ursel Röhlig den Grund für den Titel ihres Buches. Ein Geschenk ihrer Tante aus Amerika erzeugte unter den Dorfkindern Neid. Funktionäre sahen in der Puppe eine Gefahr, die den Imperialismus in den inzwischen heranwachsenden Arbeiter-und-Bauern-Staat bringen könnte.
Dass mit der Puppe die große Freundin, das Äquivalent für mangelnde Liebe, für das Mädchen verschwand, interessierte niemanden. Das eigene Erleben arbeitet die Autorin auf, ohne ihre Lebensgeschichte dem Leser näher bringen zu wollen. Vielmehr möchte sie die Gefühle verdeutlichen, die sich in diesen Momenten abspielen, wenn Erwachsene Entscheidungen treffen.
«Ich gucke im Roman in das Kind hinein», betont die Autorin. Sie schildere zum Beispiel, was in einem kleinen Mädchen vor sich geht, das stundenlang in der Hitze Getreideähren auf dem Feld aufsammeln muss. «Dieses zum raffen gezwungene Kind wird missbraucht», erklärt Ursel Röhlig. Sie sei gegen Kinderarbeit, wolle deutlich machen, wie die kleinen Seelen dabei leiden. Aber auch das Geflecht von Abhängigkeit wolle sie so zum Ausdruck bringen. Ihre psychologische Reise in Kinderseelen, teilweise authentisch verarbeitet, bedeutet Ursel Röhlig sehr viel. Es sei sozusagen eine Weiterentwicklung ihres Kinderwörterbuches, das seit Jahren als Manuskript in ihrem Schrank liege. Nach drei Alters-Kategorien aufgelistet, werden die gleichen Worte alphabetisch aneinander gereiht erklärt. In der Wendezeit habe sie «ein politisches Erdbeben» erfasst, das zum Entschluss führte, aus diesem Wortschatz einen Roman zu machen.
Die gesellschaftlichen Veränderungen hätten sie innerlich so bewegt, dass daraus ihr schriftstellerischer Tatendrang Impulse erhielt. «Ich habe darin einen festen Punkt in mir gesucht», beschreibt sie es heute. Als Bibliothekarin immer von Büchern umgeben, hat sie schon früher Gedichte geschrieben. Ein kleines Schauspiel aus ihrer Feder mit dem Titel «Der Widerstand» hielt 1994 ihren Blick auf die Zukunft fest, als sich Kulturschaffende im Osten neu orientieren mussten.
Ursel Röhligs Buch «Die Puppe aus Amerika», erschienen im Frieling-Verlag, ist in jeder Buchhandlung erhältlich.

Von Adelheid Floß   /   LR - 13.02.2007

 

Begleittext auf der Internetseite des Verlages:

Kinder leben in ihrer eigenen Welt und sind den Erwacsenen nahezu schutzlos ausgeliefert. Wenn die Verhältnisse durch Krieg, Entbehrungen und Schuldgefühle geprägt sind, können Kinder nicht in Geborgenheit aufwachsen. Sie werden gleichsam zu kleinen Erwachsenen und müssen ihr Nichtkindseinkönnen auf andere Weise schmerzvoll verkraften. Ursel Rölig hat eine solche gestörte Kindheit erlebt und versucht, ihre verschütteten Erfahrungen im Roman zu verarbeiten.

Eine Puppe aus Amerika, hier als Symbol für das Kindsein gebraucht, spielt dabei eine besondere Rolle. Sie wurde in Ostdeutschland der Nachkriegszeit mit Ideologie überfrachtet und als Instrument benutzt, um politische Kämpfe auszufechten.

Roman   /   160 Seiten   /   Taschenbuch (Paperback)   /   EUR 8,80   /   ISBN 978-3-8280-2252-2

 

                       

                                                        WENN DIE WOZUS UND WARUMS MICH PLAGEN

                   

 

 

Fürst Pückler    

 

 

                         Zeitzeugen

 

 

 
Die Schriftstellerin Irmtraud Gutschke las 2oo9 in einer Veranstaltung der Bücherei Sandow
aus ihrem Buch "Eva Strittmatter - Leib und Leben":
 

 

 

SKALPELL UND VATERUNSER - Der Cottbuser Orthopäde Dr. Steinhäuser

      

            Die Autorin des Buches Conny Wierick liest in der Bücherei vor begeistertem Publikum.

                                                                                            

            Umrahmt wurde die Lesung mit dem musikalischen Können von Caroline Müller vom Cottbuser Konservatorium.
                                                                                             Sie spielte auf dem Cello Lieblingsstücke des Dr. Steinhäuser.

 

Der REGIA VERLAG schreibt über das Buch: 

Auf das Leben eines außergewöhnlichen Menschen und Arztes schaut das Buch "Skalpell und Vaterunser" zurück. Der Orthopäde Johannes Nikolaus Willi Steinhäuser oder auch nur Dr. Willi Steinhäuser genannt, hat im Jahre 1928 die Medizin in Cottbus revolutioniert. Haben doch die Einwohner nie wirklich von dem Begriff Orthopädie gehört und konnten erst Recht nichts mit einem Spezialisten anfangen. Diese Art der Heilpraktik verschreibt sich der Erkennung, Vorbeugung und Behandlung bezüglich der Probleme des Bewegungsapparates, bzw. der Knochen, Gelenke, Muskeln, Schleimbeutel, Gefäße, Nerven und Sehnen. Jahrelang war er als Assistent in der Chirurgischen Universitätsklinik Breslau tätig, bis er im Jahre 1933 seine erste eigene Praxis in Cottbus eröffnete.

ISBN:   978-3-86929-000-3     /     Preis:   14,9o EUR 

 

 

Aaron B. Schule tut nicht weh

Autorenlesung mit der Cottbuser Schriftstellerin Maxi Hill

- am 18. Februar 2o1o -

            

Schule tut nicht weh, so trösten Eltern ihre Kinder beim ersten Schulgang. Für Aarons Schule wäre das eine Lüge und Aaron weiß es, doch es glaubt ihm niemand ...
Der Roman rührt mit sinnlichen, beinahe körperlich erfahrbaren Episoden zwischen Liebe, Verdacht, Ignoranz und Verrat an den Spielarten der Macht, an fataler Loyalität, an gefährlicher Ignoranz. Die literarische Fiktion mischt sich in erschreckender Weise mit bitteren Fakten unserer Zeit.                                                              
     ( Übernahme des Textes von Maxi Hills Homepage )

 

 

 

 

Holt die Bücher aus dem Feuer

- Eine eindrucksvolle Veranstaltung -

 

Unter den zahllosen Verbrechen der deutschen Faschisten ragt die öffentliche Verbrennung verfemter Bücher am 1o. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in vielen anderen deutschen Städten als gezielter Angriff auf das unabhängige Denken auf besondere Weise hervor. Das war ein düsterer Ausblick in die Zukunft unter der Naziherrschaft.

Zum 77. Jahrestag erinnerten die Bücherei Sandow e.V., das piccolo-Theater Cottbus und die Theodor-Fontane Gesamtschule mit einer szenischen Lesung an dieses Verbrechen gegen die deutsche und internationale Literatur.

Auf einer hell erleuchteten Bühne schwankten an dünnen Seilen hängende Bücherstapel. Ein prophetisches Heine-Zitat gab das Motto vor: "Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen." Dann eine Originalaufnahme von 1933: Nazimusik und Lärm aus einem Lautsprecher und die jubelnd-beschwörende Stimme des Rundfunksprechers, der begeistert berichtete, wie Studenten massenhaft Bücher ins Feuer warfen. Das Ganze untermalt mit "Feuersprüchen", die Namen und Werke der in Ungnade gefallenen "undeutschen", "jüdischen", und anderen Autoren ausriefen, wenn wieder neue Pakete geistiger Nahrung vernichtet wurden.

Danach betraten die Akteure die Bühne, Schauspieler und Schüler. Sie lasen aus der Literatur der Schriftsteller und Dichter, die 1933 verfeuert worden war. Gelesen wurden Autoren aus der betreffenden Zeit. Erich Kästner schrieb damals einen direkten Bericht über die Bücherverbrennung, denn er war - nur von einer einzigen Frau erkannt - Augenzeuge, wie seine Werke abgefackelt wurden. Thomas Mann berichtete damals im Londoner Rundfunk über den tiefen, schlimmen Eindruck, den der Vorgang in den USA und der Welt machte. Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky wurden zu Gehör gebracht, teils mit politischen, teils mit anderen Themen. Oskar Maria Graf, dessen Bücher nicht auf den Scheiterhaufen gekommen waren, verwahrte sich gegen diesen Vernichtungsversuch durch die Faschisten. Zur Lesung pendelte ein Bücherpaket beängstigend dicht über einer brennenden Kerze.

 
 

Zum Schluß verließen die Akteure die Bühne und es erklang wiederum die Rundfunksendung, in der die Nazis ihre Untat priesen. Nachdenken stellte sich ein über Brechts unausgesprochenen Satz: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."

Das zahlreiche Publikum spendete langen, kräftigen Beifall. Allen Vorbereitern und Mitwirkenden gebührt ein ganz großes Dankeschön !

Eine persönliche Nachbemerkung von mir: Nach dem zeitweiligen Sieg des Kapitalismus in Deutschland wurden massenhaft Bücher auf den Müll geworfen. Pfarrer Martin Weskott hat davon aus eigener Initiative allein eine Million davon gerettet. Und mir geht der oben zitierte Satz von Heinrich Heine leicht abgewandelt durch den Sinn: Wer Bücher fortwirft ... Man sollte darüber nachdenken und sich Lesen und andere kulturvolle Genüsse viel öfter gönnen.

 
Text:   Diedrich Loeff  /  Mai 2o1o
Foto:  Dieter Brendahl
 

 

 

 

Spaniens Himmel
 
Ein Reisetagebuch auf den Spuren Pablo Picassos
 
Autorenlesung mit der Schriftstellerin Jutta Schlott
 
am 17. Juni 2o1o in der Bücherei Sandow
 
 
                                                                   
 
Begegnung mit Menschen und Museen, Stierkämpfen und Klimakapriolen. Die Autorin arbeitet an einem biografischen Text zu Pablo Picasso und reist nach Spanien um zu erfahren, ob der berühmte Maler Spanier geblieben oder Franzose geworden ist. Oder Weltbürger - vielleicht. Sie will sehen, was Picassos Augen zuerst sahen, welche frühen Eindrücke das Kind und den jungen Mann bis zu seinem zwanzigsten Jahr prägten. Die Reise mit den Zügen der Spanischen Eisenbahn führt die Autorin vom südfranzösischen Perpignan, über Valencia und Bercelona quer durch die iberische Halbinsel nach Madrid, ins galizische La Coruna und nach Malaga, wo Picasso 1881 geboren wurde. Jutta Schlott begann ihre Recherche-Fahrt im März 2oo4, eine Woche nach den Anschlägen auf den Madrider Bahnhof Atocha. Enttäuschungen und Bestätigung bei den Recherchen, die von Selbstzweifeln begleiteten Versuche, neue Erkenntnisse über den "Kontinent Picasso" zu gewinnen, werden in diesem persönlichen Aufzeichnungen ebenso dokumentiert wie die aktuelle Stimmung im Land.                                              
 
                                                         
 
Jutta Schlott wirkte lange Jahre in Cottbus,
lebt aber jetzt wieder in ihrer Heimat, in Schwerin.
 
Begleitend zu ihrer Lesung gestaltete sie eine kleine Ausstellung
mit Fotografien ihrer Reise nach Spanien.
Ihre Fotos werden voraussichtlich bis zum frühen Herbst 2o1o in der Bücherei Sandow zu sehen sein.
 
                                                           

 

 

Flyer - Gestaltung und Druck: Dietrich L.     /     Fotos: Uwe T., Dieter B.